Whistleblowing

Whistleblowing ist DAS Instrument, das Mitarbeitern und externen Stakeholdern eines Unternehmens die Chance gibt, Fehlverhalten im Unternehmen anonym aufzuzeigen, ohne selbst negative Folgen wie zB Sanktionen befürchten zu müssen.

Tatsächlich stellt Whistleblowing ein reaktives Mittel dar, welches Unternehmensmitarbeitern und externen Stakeholdern erlaubt, in geschützter Weise über ethisches Fehlverhalten im Unternehmen zu berichten (Grace/ Cohen 2010; Seeler 2012).


Der Grund für die Entwicklung von Whistleblowing-Systemen ist leicht nachvollziehbar.


Es ist relativ unwahrscheinlich, dass eine Person, die in einem Abhängigkeitsverhältnis zu einem Unternehmen steht (etwa eine Mitarbeiterin oder ein Lieferant), offen über Fehlverhalten im Unternehmen berichten würde. Die Gefahr, offen oder verdeckt sanktioniert zu werden, wäre zu groß.


Genau dieses Problem versuchen Whistleblowing-Mechanismen zu lösen. Berichte können anonym über verschiedene Kanäle gemacht werden. Meistens geschieht dies heute per Telefon oder über ein vorbereitetes E-Mail-Formular. Berichtet werden zumeist Korruption und Bestechung, Diebstahl, Dokumentenfälschungen, Wettbewerbsabsprachen, sexuelle Belästigung, Diskriminierung etc.


Whistleblowing verfolgt zwei Ziele

Einerseits sollen erfolgte Fehlverhalten entdeckt und die jeweiligen Mitarbeiter entsprechend sanktioniert werden. Zweitens wird angestrebt, die Entdeckungswahrscheinlichkeit für Fehlverhalten sichtbar zu erhöhen, da sich dies als der wichtigste Grund für die Vermeidung von unethischem Verhalten erwiesen hat (Association of Certified Fraud Examiners 2019).


Damit wird auch unmittelbar die Bedeutung von Whistleblowing für die Umsetzung von Unternehmenscodes deutlich. Die Neigung zur Einhaltung der Regeln eines Codes wird durch die Gefahr der Entdeckung von Überschreitungen deutlich verstärkt.


Im Allgemeinen unterscheidet man interne und externe Systeme

Internes Whistleblowing bedeutet, dass die Berichte direkt an eine unternehmensinterne Einheit gehen. In dieser sitzen Mitarbeiter des Unternehmens. Damit sind die berichtende Person und die den Bericht empfangende Person Kollegen. Diese Organisationsform hat sich in der Praxis als wenig hilfreich erwiesen. Zu groß sind die Befürchtungen, dass die Anonymität eventuell doch nicht vollständig gewährleistet sein könnte und die berichtende Person folglich ein erhebliches Risiko für spätere Sanktionen eingehen würde (Seeler 2012).


Externes Whistleblowing bedeutet, dass die Einheit, welche Berichte entgegennimmt, nicht zum Unternehmen gehört. In der Praxis gibt es spezialisierte Anbieter mit geschultem Personal, das in Callcentern diese Aufgabe übernimmt. Durch diese Trennung wird das Vertrauen in die tatsächlich gewährte Anonymität erhöht. Eines der wichtigsten Elemente eines funktionierenden und erfolgreichen Whistleblowing-Systems ist die strukturierte Vorgehensweise in der Annahme, Verarbeitung und Weitergabe der Berichte (Seeler 2012).


Hinsichtlich der Annahme von Berichten ist die Kompetenz der Mitarbeiter entscheidend. Insbesondere bei telefonischen Berichten besteht die Möglichkeit, nachzufragen und dadurch zu qualitativ besseren Berichten zu kommen. Die Verarbeitung der gesammelten Informationen bedeutet, dass die Daten in eine strukturierte Form gebracht werden, die dann weitergeleitet werden kann. Dabei ist die Verständlichkeit entscheidend, um den Lesern der Berichte eindeutige Informationen bereitzustellen. Die aufbereiteten Berichte werden sodann vom WhistleblowingAnbieter an das Unternehmen zurückgegeben. Hier ist es entscheidend, dass das Unternehmen eine klare Verarbeitungssystematik befolgt. Wenn über Fehlverhalten der obersten Führungsebene berichtet wird, müssen die Berichte an den Aufsichtsrat gehen. Auch sonst muss es eine klare Vorgehensweise in der unternehmensinternen Verarbeitung der Informationen geben.


Dazu hat es sich als vorteilhaft erwiesen, wenn interne Ethik-Komitees bestehen oder aber bestimmte Abteilungen (z. B. Ethik-Office, Interne Revision) das Mandat zur Verfolgung der Berichte erhalten. Wesentlich ist, dass diese Komitees oder Abteilungen nicht in direkter Linienverantwortung stehen, da andernfalls ihre Unabhängigkeit in der Fall-Bearbeitung fraglich ist.

Lassen Sie uns nun die Vor- und Nachteile des Whistleblowing betrachten.

Whistleblowing ist hilfreich zur Umsetzung von Regeln im Unternehmen, da es die Wahrscheinlichkeit der Entdeckung von Fehlverhalten erhöht und damit dazu beiträgt, ein ethisches Klima zu entwickeln. Es hilft zudem, bestimmte Grenzen zu überschreiten, die durch gesellschaftliche Normen oder die Unternehmenskultur gesetzt sind (Seeler et al. 2019). So herrscht oft die Vorstellung vor, dass man nicht als Verräter des eigenen Unternehmens oder von vorgesetzten Personen auftreten sollte. Diese Grenze zu überschreiten, wird durch Whistleblowing aufgrund der Anonymität wesentlich erleichtert. Damit ist Whistleblowing eines der wirksamsten Mittel, um Vorgänge aufzudecken, die sonst verborgen bleiben würden.

Nachteilig am Whistleblowing ist, dass zumindest übergangsweise das Gefühl von Misstrauen im Unternehmen aufkommen kann. Dies kann der Zusammenarbeit erheblich schaden und damit auch den Unternehmenserfolg beeinträchtigen. Die Auswahl des Whistleblowing-Anbieters ist ebenfalls zu beachten. Sollten jemals Zweifel an der absoluten Anonymität der eingereichten Berichte aufkommen, dürfte das Vertrauen in das gesamte System sofort verloren gehen. Die größten Gefahren des Whistleblowing liegen jedoch in einer unzureichenden Einführung, in der die Mitarbeiter nicht ausreichend geschult werden. Unverständnis für den Zweck dieses Instruments gefährdet den Erfolg erheblich. Weiterhin muss auf eine exakte und nachvollziehbare Verfolgung der eingehenden Berichte geachtet werden. Nichts dürfte potenzielle Berichtgeber mehr frustrieren als das Gefühl, dass selbst klare Fehlverhalten nicht ernsthaft verfolgt werden (Seeler 2012).





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