Nutzung von Organisationsressourcen - Fallbeispiele zu diesem wirtschaftsethischen Thema

Die Digitalisierung sensibilisiert immer mehr arbeitstätige Menschen auf „Korruption im weiten Sinne“ (Begleitdelikte) zu achten, so meine Beobachtung.


NUTZUNG VON ORGANISATIONSRESSOURCEN

1. Fall: Ihr Unternehmen stellt den Mitarbeitern Firmenhandies zur Verfügung, um im Home Office telefonisch erreichbar zu sein. Ein Mitarbeiter benutzt das Firmenhandy auch für private Telefonate sowie für private Chatgruppen in Telegram und Whatsapp während seiner Arbeitszeit. Es handelt sich um kaum mehr als 4 Euro an privaten Telefonkosten pro Monat, welche auf Kosten des Unternehmens getätigt werden. Ab und an findet sich auch von dem Mitarbeiter in WhatsApp ein Posting auf der Funktion „Story“ welches dieser gleichfalls innerhalb seiner Arbeitszeit auf seinem Firmenhandy postet. Ist das Verhalten des Mitarbeiters akzeptabel?


2. Fall: Bevor Sie jeden Morgen auf Ihrem Firmenrechner zu arbeiten beginnen, gehen Sie kurz Ihre privaten E-Mails durch und halten sich noch etwa zehn Minuten in LinkedIN und auf Facebook (Whatsapp, Instagram und FB) auf. Das passiert alles bereits während ihrer Arbeitszeit. Wie schätzen Sie dieses Verhalten ein? Ist es akzeptabel?


3. Fall: Eine Mitarbeiterin unterbricht Ihre Arbeit, um 10 Minuten von Ihrem Firmenrechner in Ihr Facebook Account einzusteigen. Zufälligerweise hält sich gerade auch eine Freundin aus Ihrer Heimat in Facebook auf. Sie beginnen einen Chat. Bevor sie ihre Arbeit niederlegt und den Firmenrechner herunterfährt, steigt sie vom Firmenrechner in ihr eigenes Online Bankkonto ein. Sie wickelt von dort ihre privaten Bankgeschäfte ab. Wie schätzen Sie dieses Verhalten ein? Ist es akzeptabel?


HANDLUNGSEMPFEHLUNG:

Alle beschriebenen Fälle sind tägliche Praxis in vielen Unternehmen geworden. Die Digitalisierung und der verstärkte Einsatz in Zeiten der Covid19-Pandemie von Home Office Einsätzen sind als wesentliche Treiber für derartige Fälle zu nennen. Es handelt sich dabei um Korruption im weiten Sinne, zu der eben auch die Nutzung von Organisationsressourcen für private Zwecke gehört. Um es deutlich zu sagen:


Alle dargestellten Verhalten sind eindeutig nicht akzeptabel und stellen letztlich eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflicht dar, Ihre Arbeitskraft während der Arbeitszeit dem Unternehmen zu widmen.


Allerdings gibt es inzwischen in vielen Unternehmen konkrete formelle oder informelle Regelungen, die eine zumindest beschränkte Nutzung von Ressourcen des Unternehmens für private Zwecke erlauben. Dies wird der heutigen Realität sicher gerecht, doch halten Sie sich bitte vor Augen, dass auch ein vergleichsweise „geringes“ Fehlverhalten ein Fehlverhalten bleibt und entsprechende arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.


Unternehmen sollten folglich immer dafür sorgen, dass entsprechende schriftliche konkrete Regelungen entwickelt werden, die den Handlungsrahmen eindeutig klarstellen.


Anmerkung: Die folgenden Fallbeispiele und Erläuterungen beruhen teilweise auf Materialien des International Fraud Examiners Handbook der Association of Certified Fraud Examiners sowie des Ethics Officer Certification Program des Ethics Institute in Südafrika.


KORRUPTION IM WEITEREN SINN (BEGLEITDELIKTE)

Bei den Begleitdelikten handelt es sich insbesondere um Betrugs- und Untreuehandlungen, Urkundenfälschung, wettbewerbsbeschränkende Absprachen bei Ausschreibungen, Strafvereitelung, Falschbeurkundung im Amt, Verletzung des Dienstgeheimnisses und Verstöße gegen strafrechtliche Nebengesetze. Man kann sagen, dass der Begriff „Korruption“ eine Kategorie von Straftaten bezeichnet. (Quelle: https://www.grin.com/document/163295)









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