Fallbeispiel für ethisches Problem "Privatsphäre" in Unternehmen

Das Management eines Unternehmens vermutet, dass eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter der Konkurrenz vertrauliche Informationen zuspielt.


Es entscheidet deshalb, sämtliche persönliche Firmen-E-Mail-Konten zu prüfen sowie alle Schreibtischschubladen nach belastendem Material zu durchsuchen. Ist dieses Verhalten ethisch vertretbar?


In Fragen der Privatsphäre kollidieren häufig die berechtigten Ansprüche der Mitarbeiter mit jenen des Unternehmens (Koehn 2002). Eine ethische Beurteilung fällt daher nicht leicht, und es gibt für beide Seiten gute Argumente. Der Schutz der Privatsphäre des Einzelnen ist ein hohes Gut, eine entsprechende Untersuchung wirft neben rechtlichen Fragen vor allem auch die Erwägung auf, wie es um die Vertrauensbasis im Unternehmen bestellt ist – klassischerweise eine moralische Frage.


Handlungsempfehlung

Um Überprüfungen von E-Mails sowie von Schreibtischschubladen auf eine klare und nachvollziehbare Basis zu stellen, bedarf es einer eindeutigen diesbezüglichen Richtlinie im Unternehmen, die jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin bei Vertragsbeginn zur Kenntnis und Unterschrift gegeben wird und an die in regelmäßigen Abständen erinnert werden sollte.


Die Überprüfung von E-Mails sollte nur in absoluten und begründeten Ausnahmefällen erfolgen. Wiederum geht es neben rechtlichen Fragestellungen – die wir hier nicht behandeln wollen – um die Frage des Vertrauens. Bedenken Sie, dass Sie mit einer vollständigen Prüfung aller E-Mails vielen Menschen gegenüber unberechtigtes Misstrauen ausdrücken.




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