Das Heilen des Selbsturteils

Aktualisiert: Sept 12

Sich gegen ein Hindernis zu wehren ist in der Regel wenig sinnvoll, weil es mit viel Anstrengung verbunden ist. Die ideale Lösung für jede Situation ist, sie sich selbst lösen zu lassen. Es gilt also, an der Trennlinie zwischen Zulassen und Kämpfen zu sitzen.


Jeder Tag enthält viele Situationen, die Entscheidungen erfordern. Warum lassen wir die Dinge also manchmal einfach zu und wieso leisten wir manchmal Widerstand?


Die Antwort ist, dass wir entweder auf Widerstand und Hindernisse stoßen oder Widerstand und Hindernisse erwarten. Überzeugungen sind letztendlich Erwartungen.


Stellen wir uns ein etwas dickköpfiges 8-jähriges Kind vor, das abends nicht ins Bett zu bekommen ist. Wenn wir anfangen, dieses resistente Verhalten zu erwarten, wird es zunehmen. Die meisten Hindernisse und Widerstände wirken genau auf diese Weise. Wir erwarten sie und müssen uns ihnen dann stellen. Was sich also ändern muss, ist unsere Erwartung.


Zur Veranschaulichung betrachten wir uns nun die vierte der Überzeugungen, an denen wir arbeiten wollen. Sie lautet, zur Erinnerung: “Ich bin erfüllt und vollkommen”. In Ganz- und Vollkommenheit gibt es keinen Widerstand - stattdessen herrschen Harmonie und alles fließt mühelos. Das Gegenteil von Ganzheit ist Trennung. Dennoch haben wir alle auch Aspekte unseres selbst, von denen wir lieber getrennt wären.

Das sind die Teile von uns, die wir verurteilen. Wenn du in dich schaust, welche Aspekte deines Selbst würdest du am liebsten loswerden? Diese Aspekte sind nicht schwer auszumachen, weil du sie bereits mit emotionalen Etiketten versehen hast, wenn du zur Beschreibung Worte wie "schlecht", "schuldig", "beschämend", "peinlich", "Scheitern" oder "Versagen" benutzt.


Solche Etiketten sind es, die unser Selbstbild so schwer machen. Unser Selbst mag diese Gefühle nicht und versucht, sie zu vermeiden und zu verdrängen. Das kostet viel Kraft und Anstrengung. Schuldgefühle und Scham bleiben, egal wie sehr wir versuchen, sie zu vermeiden, zu bekämpfen und abzuwehren.


Doch solange wir das vernichtende Selbsturteil nicht überwinden, gestatten wir dem Leben nicht, so zu fließen, wie es will. Wir haben zu viel Angst, dass unsere Schwachstellen aufgedeckt werden. Die Antwort darauf liegt in der Stärke des Selbst.


Unser Selbst ist mehr als das, was wir fühlen, und weit mehr als das, was unser Selbsturteil versucht, uns fühlen zu lassen. Alles an Selbstbeurteilung lässt uns schwächer und kleiner fühlen.


Dabei müssen wir die Rolle des Richters über uns selbst überhaupt nicht spielen. Wir können andere Überzeugungen annehmen. Um uns erfüllt und vollkommen zu fühlen, gilt es, jeden Moment der Selbstverurteilung umzukehren. Nehmen wir zum Beispiel die Schuldgefühle, die wir spüren, wenn wir gerade einen Riesenpott Schoko-Karamellcreme verspeist haben.


Es ist unsere natürliche Reaktion, uns selbst dafür anzuklagen, also einem wertenden, negativen Selbstglauben nachzugeben. Stattdessen sollten wir innehalten und uns folgende Frage stellen: “Welches Gefühl will ich eigentlich haben?”. Niemand wird antworten, sich gerne schuldig zu fühlen. Trotzdem fügen wir uns dieses Gefühl immer und immer wieder selbst zu.


Wir können versuchen, damit aufzuhören und uns sagen: “Ich will mich nicht schuldig fühlen. Das hat mir noch nie gut getan und im Moment erst recht nicht”.


Dieses Gefühl der Vollkommenheit wird gestärkt, wenn wir uns im Alltag daran erinnern, dass Selbstverurteilung völlig unnötig ist.





#Positive Psychologie #Wirtschaftsethik

5 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen